Grassi Museum für Völkerkunde, Leipzig
2023
Aufbauend auf der Intervention „Erfrischungsraum 2“ beim Festival OSTEN in Bitterfeld-Wolfen stelle der Masterstudiengang „Kulturen des Kuratorischen“ im Bereich Rapid Response des GRASSI Museum für Völkerkunde aus. „Fermentieren: Perspektiven auf ‚Osten’“ stellen wir Fragen danach, was „Osten“ heute bedeuten kann und wie sich Zuschreibungen von „Osten“ fortlaufend verändern lassen.
Ein mit Beton versiegelter Barkeller, Reiswein und eingelegte Gurken: Als Gruppe arbeiten mit dem übergeordneten Begriff der Fermentation als Metapher, um sich Praktiken des Umgangs mit Geschichte anzunähern – zunächst an dem Industriestandort Bitterfeld-Wolfen und schließlich im GRASSI Museum für Völkerkunde. Fermentation ist eine der ältesten Methoden, um in Zusammenarbeit mit Mikroorganismen Materie haltbarer, bekömmlicher und in anderer Weise nutzbar zu machen. Vor allem jedoch ist es ein lebendiger Prozess, der es erlaubt, sich mögliche Zukünfte vorzustellen. In welcher Weise lassen sich die Veränderungen und Umbrüche, die sich in den Zuschreibungen von „Osten“ abzeichnen, mit der Metapher der Fermentation fassen und im Museum sichtbar machen?
In drei Kapiteln (WANDELN, SPEKULIEREN, GÄREN) erzählen die Ausstellung von Entwicklungen des Verständnisses von „Osten“ und nutzen die im Fermentieren angelegten Prozesse des Konservierens, Transformierens und Spekulierens, um ihre Eindrücke aus Bitterfeld-Wolfen in den Museumsraum zu übertragen. Die Ausstellung versammelt neben Gedanken und Geschichten zu Objekten der Sammlung, die zu Vorstellungen und Imaginationen von „Osten“ anregen, verschiedene künstlerische Positionen, die sich mit den Potenzialen der Transformation auseinandersetzen. Ein stillgelegter Ausstellungsraum des Museums wird dabei genauso in Fermentationsprozesse eingebunden wie Erde, Früchte, Pflanzen oder Erinnerungsstücke

